Hotline: 0800 72 40 698 | | Hilfe & Support

Praxisführung & Organisation

Seniorenzahnmedizin - von A wie Alter über I wie Implantate bis Z wie Zähne

Der steigende Anteil der Senioren an der Gesamtbevölkerung lässt sich auch im zahnärztlichen Alltag einer allgemein-zahnmedizinischen Praxis nicht mehr leugnen. Der demographische Wandel ist angekommen und die Baby-Boomer-Generation wird in 10 Jahren anspruchsvoll die Praxisteams über Jahrzehnte fordern. Die jungen Senioren haben andere Ansprüche an die Zahnmediziner als die Hochbetagten. Aber sind wir heute schon richtig für diese sehr heterogene Patientengruppe der Betagten und Hochbetagten gewappmet?
Mit steigendem Alter und zunehmender Gebrechlichkeit wird für die Senioren jeder Weg in die Praxis beschwerlicher. Die Inanspruchnahme zahnmedizinischer Dienstleistungen sinkt, die ärztlichen Kontaktraten steigen. Der Zahnarzt und seine Teammitglieder sehen ihre alten Patienten zunehmend beschwerdeorientiert mit einem meist subjektiv reduziert empfundenen Behandlungsbedarf. Partizipative Therapieentscheidungen sind erwünscht, müssen aber nicht nur mit dem Patienten erarbeitet werden, sondern auch mit dem Entscheidungsträger, z. B. einem Angehörigen. Dieser Entscheidungsträger, der mit zunehmender Gebrechlichkeit des Patienten oft vorhanden ist, sollte vom zahnmedizinischen Team ausfindig gemacht werden und in die Auf- und Abklärungsgespräche zur prothetischen Versorgung mit einbezogen werden. Aber auch eine gute Auf- und Abklärung schützen nicht vor Misserfolgen, da die Adaptationsfähigkeit nicht vollständig messbar abzuschätzen ist.
Das zahnmedizinische Team ist auch aufgefordert, die Nachsorgekompetenz seiner Patienten vorausschauend einzuschätzen und in alle Planungen mit einzubeziehen. Die Adaptationsfähigkeit sowie die Diskrepanz zwischen subjektiven und objektiven Behandlungsbedarf sollten beachtet werden.

Die Altersstruktur in der Bevölkerung wandelt sich und jedes Mitglied eines zahnmedizinischen Teams sollte sich heute auf die sehr heterogene Patientengruppe ausrichten. Auf der einen Seite verharren Mitglieder im Team im Glauben: Senioren haben wir ja schon immer behandelt, was sollen diese Aktivitäten mit der Seniorenzahnmedizin? Und auf der anderen Seite haben einige erkannt, dass die Senioren immer mehr ihren Praxisalltag beeinflussen. Aufgrund des demografischen Wandels haben sich einige Teams auf den Weg gemacht, ihr Wissen zur zahnmedizinischen Betreuung von Senioren mit unterschiedlicher zahnmedizinischer funktioneller Kapazität zu erhöhen und ihre Praxen seniorengerecht, was nicht gleichzusetzen ist mit behindertengerecht, zu gestalten.
Die zahnmedizinische funktionelle Kapazität (Therapiefähigkeit, Mundhygiene-fähigkeit und Eigenverantwortlichkeit) ist für jeden Senior in einer Belastbarkeitsstufe festzulegen und bei der Planung intensiv zu berücksichtigten.
Die Mitglieder der Praxis sollten sich bewusst machen, wie hoch der gerostomatologische Wohlfühlfaktor ihrer Praxis heute ist. Erreichbarkeit, der Umgang mit den Senioren und die Hilfsmittel sind dabei unter die Lupe zu nehmen. Gemeinsam sollte überlegt werden, wie die Praxis und ihre Abläufe gestaltet werden können, dass sich Betagte und Hochbetagte gern auf den Weg machen. Manchmal ist der Umgang mit älteren Patienten schwierig, oft aber durch mehr Wissen um das Älterwerden sehr gut zu bewältigen.

In dem Kurs werden die altersbedingten Veränderungen und die Auswirkungen der Multimorbität auf die funktionelle Kapazität des Patienten besprochen. Es werden Tipps gegeben, um die zahnmedizinische funktionelle Kapazität zu erfassen und das geriatrische Assessment wird kein ungefülltes Fremdwort bleiben. Der Therapieentscheidungsprozess bis hin zu einer für den Patienten individuellen Therapieplanung, die aufgrund der Versorgungsdiagnose und der Evaluation der Nachsorgekompetenz empfohlen wird, werden erläutert und gemeinsam erarbeitet. Auch der Einfluss des gerostomatologsichen Wohlfühlfaktor der Praxis, der durch Erreichbarkeit, Hilfs¬mitteln und dem Umgang des Teams mit den Senioren geprägt wird, wird anhand von Praxis-Beispielen beprochen.

Der demografische Wandel in der Bundesrepublik macht auch vor Sachsen-Anhalt nicht Halt und so wird der Anteil an pflegebedürftigen Menschen, die in Altenpflegeheimen leben immer mehr steigen.
Verschiedene Projekte, die im Rahmen der Gesundheitsziele Sachsen- Anhalt durchgeführt werden, befassen sich mit der Lebensqualität und Allgemeingesundheit der Bewohner in Altenpflegeheimen. Die Lebensqualität wird entscheidend davon bestimmt, wie man auch im Alter noch Lachen, in Gemeinschaft essen und sich artikulieren kann und dazu gehören gesunde und funktionsfähige Zähne.

„Altern mit Biss“, „AzuBiss“ und „Vergissmeinnicht“ sind Projekte, die in Sachsen-Anhalt gelaufen sind und nun in die Fläche getragen werden sollen. Im Kurs werden sie vorgestellt und damit auch ein Erfahrungsbericht im Umgang mit Pflegebedürftigen gegeben.
Das Projekt „AzuBiss“ wurde mit dem Präventionspreis der Bundeszahnärztekammer und GABA ausgezeichnet und das Preisgeld in den Altersanzug „GERT“ investiert. Wer einmal die Erfahrung machen möchte, wie es sich anfühlt pflegebedürftig zu sein, hat die Möglichkeit dazu.

Mi, 23. August 2017 - 15:45 Uhr
Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt
Große Diesdorfer Str. 162
39110 Magdeburg
Deutschland

Bitte melden Sie sich an, um Kontakt aufzunehmen.

Sie sind noch kein Mitglied der DentRent-Community? Registieren Sie sich jetzt schnell und unkompliziert!

Sie sind bereits Mitglied? Melden Sie sich an.

Zielgruppe:

Zahnärzte/Zahnärztinnen

Referenten:

Prof. Dr. med. dent. habil. Ina Nitschke
Dr. Nicole Primas

Veranstalter:

Punkte:

8

Gebühren:

ZA
260,00 €